Strahlung – wie, wo, wie viel?
Prof. G. Käs
Die elektromagnetische Situation durch den Kurzwellensender IBB ist bekanntlich in Valley prekär. Vielleicht ist „bekanntlich“ schon schnell formuliert, denn genaue Betrachtungen zeigen, dass die Feldstärkewerte deutlich höher liegen als in den landläufigen Publikationen zum Ausdruck kommt.
„Wie viel“- Das
organisatorische Problem
Es gibt eine Reihe von Messergebnissen respektabler
Institute und Vereinigungen, ermittelt mit hohem Messaufwand und Sachverstand.
Die Ergebnisse unterscheiden sich teilweise gravierend. Das ist nicht so sehr
auf die Messung zurückzuführen, sondern viel mehr auf die erforderlichen
Voraussetzungen, die teilweise unterschiedlich interpretiert werden. Da es
vorwiegend um die Einhaltung resp. Überschreitung der Grenzwerte nach der 26.
Bundesimmissionsschutzverordnung geht und rechtliche Dinge im Vordergrund
stehen, soll die Ermittlung der Messwerte nach VDE 0848 erfolgen. Dem
entsprechen viele Messwerte nicht. Vorwiegend ist die „worst-case-Situation“
nicht berücksichtigt. Die Messwerte von Signalen mit ähnlicher Frequenz sind
nach VDE 0848 quadratisch zu addieren. Ob eine lineare oder quadratische
Addition aussagekräftiger ist, sei hier nicht diskutiert. Die quadratische
Addition wird hier vorgeschrieben, weil die gesamte Vorschrift auf ausschließlich
thermische Wirkungen elektromagnetischer Felder ausgerichtet ist. Da es hier
vorwiegend um rechtliche Probleme geht – ob Grenzwerte überschritten werden
oder nicht- sei die biologische Sinnfälligkeit hier vernachlässigt.
„Wie,
wo“ –Das Messproblem
Gemessen werden soll im Bereich der höchsten
Strahlungsdichte, in dem sich Menschen aufhalten. Das ist bei Antennen mit einem
vertikalen Erhebungswinkel üblicherweise in den oberen Stockwerken von Gebäuden.
Am Erdboden sind die Messwerte deutlich kleiner. Berechnet werden soll die
Feldstärke für die „worst-case“-Situation, also für den Fall, dass alle
vier möglichen Sender in (annähernd) die gleiche Richtung ihre Leistung
gleichzeitig abstrahlen. Wenn nur drei Sender gemessen werden konnten, wird auf
vier Sender hochgerechnet.
Als Beispiel diene die Auswertung der Messergebnisse, ermittelt durch die Fa. Schwille-Elektronik Kirchheim, am Messpunkt 5, St.-Korbinian-Str. 15, Valley, Ortsteil Oberlaindern.
| Frequenz | Feldstärke E | Grenzwert Eg | (E/Eg)² | |
| 11,885 MHz | 14,92 V/m | 27 V/m | hochgerechnet | 0,305 |
| 11,885 MHz | 14,92 V/m | 27 V/m | 0,305 | |
| 17,885 MHz | 16,42 V/m | 27 V/m | 0,37 | |
| 17,885 MHz | 16,42 V/m | 27 V/m | 0,37 | |
| SUM 1,35 |
Damit beträgt die Grenzwertüberschreitung V1,35² = 16,2%.
Biologische Einschätzung
In der sog. "Bayerischen Rinderstudie" (2001) waren sich die
Herausgeber (Bayer. StMLU) und die Autoren nicht ganz einig, wie gut gesicherte
die Wirkungen elektromagnetischer Felder zu bewerten seien. Dies gilt für
Wirkungen, die bei 1 Millionstel der og. Grenzwerte aufgetreten sind! Das
bewertet die oben genannten Grenzwerte.