Was bewirkt eine Exposition im Organismus?
Dr. Lebrecht von Klitzing
Die biologische Wirkung elektromagnetischer Felder beschränkt sich nicht nur auf einen möglichen Eintrag von Energie mit der Folge einer kritischen Temperaturerhöhung. Diese an einem Strommodell postulierten Wirkungsmechanismen sind jedoch Grundlage der derzeitigen Grenzwertregelung. Explizit wird in den Anmerkungen der ICNIRP (Intern. Comm. For Non-Ioniz. Radiat. Protect., 1998) darauf hingewiesen, dass auch die in der 26. BimSchV (Bundesimmissionsschutzverordnung) festgelegten Belastungsgrenzen ausschließlich akute Reaktionen während der Exposition berücksichtigen. Hinzu kommt, dass die Modulationsart der emittierten Felder nicht bewertet wurde.
Tatsache ist jedoch, dass eine Langzeitexposition in amplitudenmodulierten Feldern (Langwelle, Mittelwelle und teilweise Kurzwelle) sowie in zeitschlitzmodulierten Feldern (Mobilfunk, DECT-Telefon, Bluetooth u.a.) bei vielen Menschen und Tieren erhebliche gesundheitliche Probleme hervorruft. Die Reaktion und die Zeiträume, in denen diese auftreten, sind individuell, was eine statistische Bewertung erschwert, wenn nicht bei der gegebenen Fallzahl unmöglich macht. Somit beschränken sich die politisch Verantwortlichen in ihrem Handeln auf die Aussage von einigen Gutachtern, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Exposition und Erkrankungen – also eine akute Reaktion- nicht besteht.
Den befragten Wissenschaftlern muss der Vorwurf gemacht werden, dass bei deren Bewertungen der Zeitfaktor im biologischen Reaktionsablauf vergessen wurde. Es ist unzulässig, aus einem technischen Modell auf das intakte Biosystem zu schließen. Genau dieses ist aber die Praxis.